Einleitung: Anna Sandermoen, Herausgeberin
Das Gespräch berührt die Frage nach den Werten, die Menschen leiten. Jeder strebt nach solchen Leitlinien, fragt aber selten nach deren Begründung. Diese Frage wurde erstmals von David Hume klar formuliert: Wie gelingt der Übergang vom Sein zum Sollen? Warum werden manche Werte abgelehnt, während andere – beispielsweise „traditionelle“ – akzeptiert werden? Verdienen alle Traditionen den Status eines Wertes? Das Buch „Geschichten über Philosophie“ zeichnet die Entwicklung der westlichen Philosophie nach – jener Philosophie, der das moderne Russland oft feindselig gegenübersteht. Gleichzeitig ist die westliche Philosophie weder homogen noch ein abgeschlossenes System, während die russische Philosophie historisch eng mit ihr verbunden und ohne sie undenkbar ist.
Genau deshalb ist das Konzept der „traditionellen Werte“ angreifbar: Es entbehrt einer strengen wissenschaftlichen Grundlage und basiert eher auf politischen Interessen und Ideologie als auf Argumenten.
Andreas Buller (Deutschland), Ph.D., deutscher Philosoph, Dozent an der Swiss International School in Germany, Autor von „Die Moral und Sprache des Totalitarismus: Bolschewismus, Nationalsozialismus und Putinismus“ (2023)
