Im Rahmen des literarischen Jahresprogramms der Messe fand am 26. Juni 2025 in Berlin ein Treffen mit dem Dichter und Übersetzer Aljoscha Prokopiew statt: „DUNKLE ORTE“ von Georg Trakl. „Bruder und Schwester zittern in einem verlassenen Park“.
Aljoscha Prokopjew beschäftigt sich seit über dreißig Jahren mit der Lyrik Georg Trakls. Seine jüngsten Veröffentlichungen in den Zeitschriften Articulation, Berlin.Berega und der demnächst erscheinenden Zeitschrift Perevod enthüllen unerwartete Aspekte von Trakls Poetik, ermöglichen einen anderen Blick auf seine Beziehung zu seiner Schwester und klären viele dunkle Motive auf, die in transformierter, verfeinerter Form in der Lyrik Paul Celans widerhallen.
Besonderes Augenmerk wurde darauf gelegt
- Das Bild der Schwester in Trakls Werken
- Schatten seiner Poetik in Celans Gedichten
- Tiefe Verbindungen zwischen den beiden Dichtern
Georg Trakl/Aljoscha Prokopjew
REGNERISCHER ABEND
Diese roten Sonnenuntergänge!
Mit Trauben verflochten,
Umarmt von blauer Dunkelheit,
Ängste schlagen wütend gegen die Fenster.
Der Staub wirbelt – der Abfluss stinkt,
Das Geräusch von Glas in einem zitternden Rahmen.
Wolken heißer Hengste
Blitzschläge mit Peitschen.
Die Fenster schluchzen oder die Möwen. Mit einem Knistern
Der Spiegel des Teichs zerbrach.
Die Flammen springen durch den Wald,
Die Tannen fingen Feuer und begannen zu schlagen.
Ein hysterischer Schrei in einem Krankenhaus.
In den Federn der Nacht ist das Blau zu hören
Ein Pfiff, und plötzlich zuckt ein Blitz:
Der Regen scheint und prasselt auf die Dächer.
DIE ZEIT DER ARBEIT
Oh, mir kommen die Tränen!
Flimmernd schwankt am offenen Fenster
Weinlaub wirr ins Blau gewunden,
Drinnen nisten Angstgespenster.
Staub tanzt im Gestank der Gossen.
Klirrend stößt der Wind in Scheiben.
Ein Traum aus der Wildnis
Blitze, grelle Wolken treiben.
Laut zerspringt der Weiherspiegel.
Möven schrein am Fensterrahmen.
Feuerreiter sprengt vom Hügel
Und zerschellt im Tann zu Flammen.
Verrückte Kämpfe im Krankenhaus.
Bläulich schwirrt der Nacht Gefieder.
Glitzernd brast mit einem Male
Bleiben Sie auf der anderen Seite
1913
Die Geschichte über Trakl erwies sich in vielerlei Hinsicht als programmatisch und wurde gewissermaßen zu einer Zusammenfassung von Aljoscha Prokopjews Arbeit über Trakl (und Celan). Sie lasen Gedichte (im Original und auf Russisch), unterhielten sich viel – die Zeit reichte nicht – und stellten draußen noch Fragen!
Vielen Dank für das Treffen und Bibliothek am Wasserturm für die Zusammenarbeit!
DUNKLE STELLEN von Georg Trakl
„Im Park erblicken zitternd sich Geschwister.“
Der Dichter und Übersetzer Aljoscha Prokopjew beschäftigt sich seit über dreißig Jahren intensiv mit der Dichtung Georg Trakls. Seine jüngsten Veröffentlichungen in den Zeitschriften Artikulation und Berlin.Berega, sowie ein demnächst erscheinender Beitrag in Perewod, eröffnen neue Perspektiven auf Trakls Verhältnis zur Schwester sowie auf die dunklen Motive seiner Poetik, die in veränderter, sublimierter Form auch in der Lyrik Paul Celans nachhallen.
Im Fokus Abends:
- Die Westerfigur bei Trakl
- Schatten seiner Poetik in Celans Gedichten
- Verborgene innere Konstellationen zwischen beiden Dichtern
Vielen Dank für den wunderbaren Abend – und der Bibliothek am Wasserturm herzlichen Dank für die Zusammenarbeit!
