2. Mai, 14:00 – 15:00 Uhr
Halle 5
Präsentation neuer zweisprachiger Titel von zeitkind (Schweiz)

Vera Martynovs Buch „41515 Wörter“ ist als Autofiktion angelegt: Ihre Tagebucheinträge werden durch ein Theaterstück unterbrochen und kehren dann zu Reflexionen über die Gegenwart zurück. Vera Martynov behandelt Tagebuchtexte wie Fundstücke – bereits existierende Fragmente, die sie in künstlerisches Material verwandelt und so Erinnerungen und persönliche Erfahrungen offenbart.

In ihren intimen Schriften erkundet Martynov, wie ihre persönliche Geschichte mit dem Chaos des Krieges in Resonanz steht und sich mit kollektiven Erfahrungen verwebt. Zehn Tage nach Beginn des großangelegten Einmarsches in die Ukraine verließ sie Russland, verabschiedet sich von ihrer bisherigen Welt und sucht nach innerer Stärke.

Sie wuchs in der Südukraine auf, doch ihr Erwachsenenleben und ihre künstlerische Karriere nahmen in Moskau Gestalt an. Auf dieser Suche stellt sie fest, dass ihre Identität zunehmend auf ihre nationale Herkunft – ukrainisch oder russisch – reduziert wird.

Die in russischer Sprache verfassten Texte enthalten Fragmente in Ukrainisch, Englisch und Französisch und werden zusammen mit einer deutschen Übersetzung veröffentlicht. Die Publikation vereint die Texte mit Tuschezeichnungen und Fotografien des Autors.

Der Roman wird auf der Tagung vorgestellt. «Butter Me Up» Liliya Zhernov, das im Herbst vom Verlag veröffentlicht wird.

Dies ist ein bekenntnishafter Roman über eine Liebe, die nie gelebt wurde. Die Erzählerin bleibt namenlos, und doch klingt ihre Stimme so vertraut, als sei sie ihr vertraut. Sie hat Mutterschaft, Krieg und Emigration überlebt – und nun blickt sie, voller Schmerz und Zärtlichkeit, auf ihre eine, verheerende, zärtlich-masochistische Liebe zu einer anderen Frau zurück.

Diese Geschichte zeichnet den Verlust in europäischen Städten, Bahnhöfen und Träumen nach. Sie entfaltet sich jedoch nicht durch äußere Ereignisse, sondern durch das innere Dilemma der Heldin: Wie kann sie das hinter sich lassen, was die gesamte Dichte der Gegenwart ausmacht?

Der Roman ist wie ein Flickenteppich zusammengenäht – aus Monologen, Gedichten, Briefen, Träumen, kulturellen Anspielungen und metaphysischen Einschüben. Worte werden zum letzten Ort, an dem Zugehörigkeit – zumindest zur Erinnerung – noch möglich ist. Die Sitzung wird vom Gründer des Verlags geleitet. Zeitkind Gabriela Merz.

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