In den letzten Jahren haben sich magisches Schreiben und Folklore zunehmend zu Mitteln der Analyse sozialer Realität entwickelt. Märchen, Zaubersprüche, mythologische Bilder und archaische Strukturen helfen Autor*innen unerwartet dabei, Trauma, Erinnerung, Gewalt, Migration und die Geschichte des Staates zu thematisieren – manchmal sogar präziser als der dokumentarische Realismus. Wie verschmelzen magisches und dokumentarisches Schreiben heute? Warum tragen folkloristische Strukturen dazu bei, die heutige Realität zu beschreiben? In welchem Zusammenhang steht dies mit Dekolonialität? Und welche Motive aus slawischen, kaukasischen und anderen Traditionen erweisen sich als besonders relevant für die zeitgenössische Literatur?
Vier Autorinnen und Autoren, die an den Schnittstellen von Folklore, magischem Realismus und sozialkritischem Schreiben arbeiten, diskutieren dieses Thema. Yegana Jabbarova ist Dichterin und Romanautorin („Die Hände der Frauen meiner Familie waren nicht zum Schreiben da“, „Dua für den Ungläubigen“, „Terra Nullius“) und beschäftigt sich intensiv mit aserbaidschanischer Folklore und Mythologie. Toni Lashden ist die Autorin von „Schwarzwald“, in dem sie die belarussische Mythologie als Grundlage für die Auseinandersetzung mit kollektiver Erinnerung und Gewalt nutzt.
Yegan Jabbarova
Tony Lashden
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Die Moderatorin ist die Verlegerin und Kulturproduzentin Yulia Petrovpavlovskaya (It Makes Sense).
