Es gibt Ereignisse, die nicht zu Erinnerungen werden, die nicht in den Archiven des Gedächtnisses verschwinden. Sie bleiben im Bewusstsein präsent – ungeachtet dessen, wie sehr man sich im Leben verändert, wie sehr man sich auch von immer neuen Schocks nicht ablenken lässt. Sie stehen vor unseren Augen, neben den schönsten Erlebnissen – der erste Beweis für die Tragödie der Welt, die erste Nachricht von unwiederbringlichen Verlusten. Sie waren vor den Worten, sie stehen hinter den Worten, sie teilen unsere Trauer ohne Worte.
Dmitry Strotsevs Buch „Wie der Tod aussieht“ besteht aus vierzehn kurzen Texten, die zwischen Poesie und Prosa changieren, und der Autor selbst bezeichnet sein Werk als Gedicht. Das Buch schildert chronologisch Ereignisse aus Strotsevs Leben – von der Kindheit bis zum Schulabschluss –, Ereignisse von außergewöhnlicher Wucht, in denen er mit tragischer Realität konfrontiert wurde und die ihn unwiderruflich veränderten. Die Themen Krieg, Tod und Gewalt tauchen unbewusst auf, verwoben mit dem Leben des Jungen aus Minsk, noch bevor er erwachsen ist. Und es scheint, als ob nur seine staunende Empfänglichkeit für die Welt dem Protagonisten erlaubt, Vertrauen und eine zerbrechliche Freude in seinem Herzen zu bewahren.
Strotsev verwendet poetische Techniken zur Strukturierung des Textes – den Einsatz von Refrains, textlichen Wiederholungen und rhythmisch und intonatorisch gestalteten Strophen –, um von seinen eigenen Erschütterungen aus den Tiefen seiner Kindheitserfahrung zu erzählen.
Ein Buch des renommierten Dichters Dmitri Strozew wurde vom belarussischen Exilverlag „Myane Nyama“ herausgegeben. Das handliche Buch im Notizbuchformat ist raffiniert wie ein Schülerheft gestaltet. Das an ein Schülerheft erinnernde Cover versetzt den Leser in die Lage des jungen Erzählers und lässt ihn die Stimme seines inneren Kindes spüren.
Das Buch wurde mit Unterstützung des israelischen Verlags Babel veröffentlicht, und hier sind die Worte seines Direktors, Jewgeni Kogan: „In diesem autobiografischen Prosagedicht scheint Dmitri Strozew seine eigene Kindheit zu schildern, die nur unbeschwert erschien, doch in Wirklichkeit spricht er vom ‚mythischen Minsk‘ – einer unerreichbaren Fata Morgana, die in der Erinnerung fortlebt. Kurze poetische Vignetten, die zu einem einzigen Text von wunderbarer Schönheit verwoben sind, berühren zu Tränen, denn jeder hat seine eigene Kindheitsstadt, und für viele von uns existiert sie nun nur noch in der Erinnerung – für immer.“
