Mikhail Shishkin präsentiert sein neues Buch „My. Essay zur russischen Literatur:
„Welchen Sinn hat die Literatur, wenn sie uns weder vor dem Gulag noch vor der SVO gerettet hat?
Der Künstler hat ein feines Gespür dafür, was passieren wird. Malewitschs Schwarzes Quadrat stellt die Zukunft dar, die er sah, in der es den Ersten Weltkrieg, den Bürgerkrieg und den Gulag gab.
Ich glaube, ich bin nicht der Einzige, der derzeit das Gefühl hat, Russland sei ein schwarzes Quadrat.
Das Rückgrat der russischen Kultur wird gebrochen, genau wie vor hundert Jahren.
Der Literatur kann letztlich alles nützen, sogar ein gebrochener Rücken. Ohne Kolyma gäbe es keine „Kolyma-Geschichten“. Der Literatur ist das Schicksal der Schriftsteller gleichgültig, wichtig sind ihr nur die Texte. Solange die Sprache lebt, werden Texte entstehen.
Aber warum Literatur?
